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Tribuna und Exedra
Entwurf für Kloster Gravenhorst im Münsterland
Exedra
Der historische Grundriss des Kloster Gravenhorst
in seiner vollständigen Ausdehnung, also einschließlich
der heutzutage fehlenden Gebäudeteile, soll im Maßstab
zirka 1:3 als Teich- bzw. Gräftenlandschaft im südwestlichen
Teil des Klostergeländes abgebildet werden.
Wir möchten so eine Arbeit entwickeln, die sich auf die Geschichte
des Klosters in seiner Umgebung einlässt, die die landschaftlichen
und ökologischen Aspekte des Ortes einbezieht, und einlädt,
sich dem Ort aus anderer Perspektive zu nähern.

Grundwasser, Grundrisse, Gräften und Funde
Die unmittelbare und weitere Region ist gekennzeichnet
durch vieflältige Beispiele historischer Wasserbaukunst. Berühmt
sind die Zisterzienser für ihre Fertigkeiten und ihr Wissen
darum. Diese Kenntnisse waren eine Notwendigkeit, bei dem zum Teil
sehr hoch anstehenden Grundwasserspiegel, diesen Ort für die
Klosteranlage nutzbar zu machen. Einen Hinweis auf die schwierigen
Bedingungen gab die nachträglich notwendige Erhˆhung (und
dessen spätere Rücknahme) des Fußbodens in Teilen
der Klosteranlage. Aber auch die Einfassung des Wassers in Gräften
und Teichanlagen, wie auch die Abführung des Wassers aus dem
Landschaftsraum als Meliorationsmaßnahme sind heute noch sichtbare
Ergebnisse dieses Prozesses.
Wir möchten uns –auch mit Unterstützung
moderner Technik - vorzugsweise aber alter handwerklicher Techniken
bedienen, um auf dem Klostergelände, auf der im Übersichtsplan
gekennzeichneten Stelle, ein weiteres „Gräftensystem“
zu schaffen, das den Grundriss des Klosters abbildet.
Der von uns ausgehobene Grundriss soll ein Modell
eines kopf¸ber in den Boden gestellten Klosters assoziieren
(siehe Vorstellung Ideenwerkstatt). Es soll der Eindruck entstehen,
dass man gewissermaßen in die einzelnen Gebäudeteile
„blicken“ kann, die voll Wasser gelaufen sind.
Die Wasseroberfläche wird so zu einer Projektionsfläche
für Geschichten und Ideen zu Vergangenheit und Zukunft von
Kloster Gravenhorst.

Die Exedra im Garten
Die Bedeutung des Begriffs
Der Aushub soll zu einem Beobachtungshügel
modelliert werden, von dem aus man die Anlage überschauen und
den Grundriss gut in seiner Gesamtheit erkennen kann. In Anlehnung
an historische gartenbauliche Gestaltungselemente aus der Renaissance,
soll dieser Hügel, wie auch die gesamte Installation des entstehenden
Gräftensytems, die Bezeichnung „Exedra“ erhalten.
Dieses bezeichnete eine Art Plattform/Beobachtungsh¸gel, die
bevorzugt an einer Gartenmauer gelegen, einen Ausblick auf die Stadt
oder ins Tal bot. Es gibt aber auch eine überschneidende Bedeutung
mit dem Begriff „Tribuna“, den zweiten Titel dieser
Arbeit. Historisch sprachwissenschaftlich wurden diese synonym in
verschiedenen, bis in die Antike zurückreichenden Zeitalter
verwendet.
Tribuna
Die Tribuna im Kloster. Die Ausstellung zur Exedra
Parallel zu den stattfindenden Arbeiten im Außenbereich
fordern wir KünstlerInnen der Region, TeilnehmerInnen der Ideenwerkstatt
und KünstlerInnen mit denen wir schon im Rahmen von poliflur
zusammengearbeitet haben auf, uns für einen Ausstellungszeitrahmen
von 2 Monaten, künstlerische Objekte einzureichen, die sich
mit dem Thema Ausgrabung/Schatzfunde beschäftigen. Dieses Thema
bietet sich durch die Arbeiten an der Exedra an.
Hierzu entwickeln wir eine Skulptur, ähnlich wie in vorangegangenen
Projekten von poliflur (märzbau oder Georg-Kolbe-Museum), in
welches diese Objekte nach und nach integriert werden, so dass eine
ständig wachsende Gesamtskulptur im Kunsthaus entsteht, parallel
zu den im Außenraum voranschreitenden „Ausgrabungen“.
Der Titel dieser von uns vorformulierten Skulptur ist Tribuna.

Die Bedeutung des Begriffs
Tribuna hieß eine der ersten entscheidenden
Kunst- und Wunderkammern von Francesco I. 1587 in Auftrag gegeben
in den Ufficien von Florenz. In den Kunstkammern dieser Zeit wurden
Bücher, Bilder und Gemälde, Naturfundstücke Antiken,
Skulpturen, Automaten, Tierplastiken, Saatgut, Waffen und Werkzeuge
aufbewahrt. Sie sollten nicht nur passive Sammlungen sein, sondern
auch als aktives Labor dienen. Sammeln, Forschen und Gestalten wurden
als Einheit begriffen.
In der Mitte der Tribuna in Florenz stand ein Kunstkammerschrank
der die Form der Tribuna wiederholte und in seinen Fächern
die verschiedenen Sammelbereiche als Miniatur aufnahm.
Die schrankartige Skulptur Tribuna, die in unserem
Falle das Klostergebäude abbildet, wird mit einer Vernissage
eröffnet, die Ausgrabungsarbeiten sollen zeitnah bzw. gleichzeitig
hierzu begonnen werden.
Die Konstruktion der Tribunaskulptur
Die Tribunaskulptur soll hierbei als Grundkonstruktion
der Umrisslinien aus Holzleisten heterogener Qualität entstehen,
in die Wände und Zwischenböden aus weiteren leicht zugänglichen
Materialien, wie Pappe, Holz oder Verpackungskartons eingezogen
werden. Diese Decken und Böden werden ohne die tatsächliche
Anbindung an das Vorbild frei platziert. Es entsteht ein spielerischer
Umgang mit den Umbauarbeiten, wie sie das Kloster in seiner Geschichte
erfahren hat.
Die Ausstellungsstruktur
Über die gesamte Ausstellungsdauer kommen
stetig neue Exponate hinzu, so dass die Phase der Sammlung von Tribuna
mit einer Finissage beendet wird und dann die Skulptur vervollkommend
sein wird. Nach der aktiven Phase wird sie übers Jahr im Kunsthaus
mit einem Dokumentationsvideo/Fotos der Ausgrabungen zu sehen sein.
Zur Zeit planen wir, dass insgesamt etwa 40 Arbeiten eingereicht
werden. An jedem Ausstellungstag soll eine neue Arbeit in die Tribuna
platziert werden. Innerhalb dieser Ausstellungsdauer sollen weitere
Vernissagen zu bis dahin eingereichten und platzierten Arbeiten
das Interesse der Öffentlichkeit aufrecht erhalten.
Open call
Die Einladung zu „Tribuna“ soll über
einen open call erfolgen, aus dem die uns passend erscheinenden
Arbeiten in Absprache mit dem DA ausgewählt werden.
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